Wale, Kaiser und Surfen: Die vielen Facetten von Biarritz, der baskischen Stadt am Atlantik

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In keiner anderen Stadt an der Atlantikküste erzählen ein Wal, eine Kaiserin und ein Surfbrett dieselbe Geschichte. Und doch ist genau das in Biarritz in der Region Nouvelle-Aquitaine tatsächlich geschehen.

Es gibt einen unsichtbaren Faden, der sich durch die gesamte Geschichte von Biarritz zieht und bis zu seinen von Surfern belebten Stränden reicht: der Atlantik.

Lange bevor sich die Stadt zu einem der elegantesten Badeorte Europas entwickelte, brachen von diesen Küsten aus baskische Fischer auf, um Wale zu jagen. Das Meer bedeutete Arbeit, Überleben und Gefahr. Um diese Expeditionen rankten sich auch Legenden, wie die der Laminak, geheimnisvolle Wesen der baskischen Mythologie, die mit den Felsen und dem Meer verbunden sind.

Dann veränderte sich das Gesicht von Biarritz.

Im 19. Jahrhundert kamen Eugenia de Montijo und Napoleon III. hierher, und das kleine Fischerdorf verwandelte sich in ein bei der europäischen Aristokratie beliebtes Reiseziel. Könige, Fürsten und Adlige wählten diese Küste als Urlaubsort, und Biarritz wurde zum „Strand der Könige“.

Doch die Geschichte der Stadt sollte damit noch nicht zu Ende sein.

Im Jahr 1956 betrachtete ein amerikanischer Filmregisseur namens Peter Viertel die Wellen an der Côte des Basques und erkannte darin etwas, das er aus Kalifornien nur allzu gut kannte: das Surfen. Was zunächst wie eine bloße Kuriosität erscheinen mochte, sollte die Beziehung von Biarritz zum Ozean für immer verändern. Ein aus den Vereinigten Staaten stammendes Surfbrett, die Begegnung mit einem jungen Technikbegeisterten und eine Reihe von Experimenten am Strand sollten den Grundstein für die erste Generation französischer Surfer legen.

Seitdem sind die Wellen zu einem festen Bestandteil der Identität der Stadt geworden.

Wale, Kaiser und Surfen: Die vielen Gesichter von Biarritz

Heute ist Biarritz weltweit für das Surfen und seine Wassersportkultur bekannt, doch schon ein Blick hinter die Surfbretter und Strände offenbart eine weitaus ältere und überraschendere Geschichte.

Dies ist die Geschichte der vielen Gesichter von Biarritz: von den Walfängern bis zu den Königen, von den Königen bis zu den Surfern. Eine Geschichte, in der der Atlantik über die Jahrhunderte hinweg der einzige wahre Protagonist geblieben ist.

Biarritz und die Walfänger

Die Verbindung zwischen Biarritz und dem Walfang reicht weit zurück. Lokale Quellen berichten von einer Tradition, die mindestens bis ins Mittelalter zurückreicht, als der Fang großer Wale entlang der baskischen Küste eine wichtige Tätigkeit darstellte.

Die Jagd begannam Atalaye, dem Felsvorsprung, der das Meer überragt. Hier hielt ein Ausguck den Horizont im Auge, und sobald er die charakteristische Fontäne eines Wals entdeckte, schlug er Alarm. Die Besatzungen eilten daraufhin zu ihren Booten, um den Wal zu verfolgen.

Die Boote waren klein im Vergleich zu den riesigen Tieren, denen sie sich stellen mussten. Der Walfang erforderte Erfahrung, Mut und eine gründliche Kenntnis des Atlantiks.

Ein Wal stellte jedoch eine wertvolle Ressource für die Gemeinschaft dar: Aus seinem Fett wurde Öl gewonnen, und verschiedene Teile des Tieres wurden verwertet.

Mit dem fortschreitenden Rückgang der Walbestände entlang der Küste wurde diese Tätigkeit immer schwieriger.

Der letzte Walfang direkt in den Gewässern von Biarritz geht auf den März 1686 zurück.

Es war das Ende einer Ära.

Die Erinnerung an die Walfänger blieb jedoch so eng mit der Identität der Stadt verbunden, dass sie bis heute im Wappen von Biarritz dargestellt ist.

Die Winde, die Sterne und das Meer stehen mir bei: Das Wappen von Biarritz erzählt seine Geschichte

Es gibt einen Ort, an dem die Geschichte der Walfänger von Biarritz besonders deutlich zum Ausdruck kommt: das Stadtwappen.

Das Wahrzeichen von Biarritz: Geschichte, Fischer und Wale

Auf dem Wappen ist ein kleines Boot zu sehen, auf dem fünf Männer einen Wal jagen. Einer der Fischer ist gerade dabei, die Harpune zu werfen, während der Wal zwischen den Wellen abtaucht. Im oberen Bereich sind außerdem drei Muscheln und ein Stern abgebildet.

Diese Darstellung ist kein Zufall: Der Wal und die Fischer erinnern an die Rolle, die der Walfang in der Geschichte der Gemeinde gespielt hat.

Noch eindrucksvoller ist das Motto, das mit dem Wappen verbunden ist:

Aura, sidus, mare adjuvant me, das heißt: Die Winde, die Sterne und das Meer stehen mir bei.

Es ist ein Satz, der sich wie ein roter Faden durch die gesamte Geschichte von Biarritz zu ziehen scheint.

Der Wind, die Sterne und das Meer waren die Elemente, von denen die Seeleute einst abhängig waren; Jahrhunderte später sind es genau diese Elemente, die Surfer und Wassersportler leiten.

In gewisser Weise nimmt das Wappen somit die gesamte Geschichte der Stadt vorweg: eine Gemeinschaft, die aus dem Meer hervorgegangen ist und ihre Identität bis heute aus dem Meer bezieht.

Die Legende von der Roche Percée und den Laminak

Neben der dokumentierten Geschichte der Walfänger bewahrt Biarritz auch eine legendäre Tradition, die eng mit dem Meer verbunden ist.

Es ist die Geschichte der Roche Percée, auch bekannt als Roche Ronde, und der Laminak, Wesen aus der baskischen Folklore.

Der Legende nach kehrt ein Walfangboot aus Biarritz nach einer völlig erfolglosen Waljagd nach Hause zurück. Die Fischer sind müde und enttäuscht: Sie haben den Tag auf See verbracht, ohne etwas fangen zu können.

Als das Boot die Felsen in der Nähe des Hafens erreicht, hören die Seeleute plötzlich einen außergewöhnlichen Gesang, der von der Küste herüberkommt.

Es sind Frauenstimmen.

Der Überlieferung zufolge leben in den Felsen der Roche Percée die Laminak, übernatürliche Wesen, die wie wunderschöne Frauen aussehen. In dieser besonderen Legende werden sie mit einem Fischschwanz anstelle der Beine beschrieben , und ihr Gesang ist so bezaubernd, dass er Seeleute anlockt.

Die Männer, die von dem Anblick fasziniert waren, beschlossen, den Kurs zu ändern und auf den Felsen zuzusteuern, wobei sie die Befehle des Kapitäns missachteten.

Der Kommandant erkennt die Gefahr und versucht verzweifelt, sie aufzuhalten. Als ihm klar wird, dass die Männer ihm nicht gehorchen wollen, sinkt er auf die Knie und betet zu Gott, er möge sie retten.

Das Gebet wird erhört, doch das Heil hat seinen Preis: Die Seeleute werden in Kormorane verwandelt und dazu verdammt, für immer über dem Ozean zu leben.

Es handelt sich natürlich um eine Legende, doch sie schildert auf eindrucksvolle Weise die seit jeher bestehende Verbindung der Basken zum Meer: eine Kraft, die zwar Lebensgrundlage bietet, aber zugleich geheimnisvoll, unberechenbar und gefährlich ist.

Noch heute wird die „Roche Percée“ mit dieser Geschichte in Verbindung gebracht, und die Kormorane, die sich in dieser Gegend aufhalten, werden der Überlieferung zufolge mit der Erinnerung an jene alte Besatzung in Verbindung gebracht.

Der „Strand der Könige“: Eugenia de Montijo und Napoleon III.

Nach dem Ende der Ära der Walfänger begann sich Biarritz allmählich zu wandeln.

Bereits im 19. Jahrhundert begann die Stadt, Besucher anzuziehen, die sich für das Baden im Meer interessierten. Der eigentliche Durchbruch gelang jedoch erst mit Eugenia de Montijo, der zukünftigen Kaiserin von Frankreich.

Eugenia kannte Biarritz schon seit ihrer Kindheit und hatte den Ort bereits vor ihrer Krönung zur Kaiserin besucht. Nach ihrer Hochzeit mit Napoleon III. kehrte sie 1854 in die Stadt zurück und überzeugte Kaiser Napoleon III. vom Reiz der Küste.

Napoleon ließ für sie eine Sommerresidenz mit Blick auf den Atlantik errichten: die Villa Eugénie, die 1855 fertiggestellt wurde. Die Residenz wurde zum Mittelpunkt des kaiserlichen Lebens während der Aufenthalte des Paares, das bis 1868 jedes Jahr nach Biarritz zurückkehrte.

Heute ist das Gebäude unter dem Namen „Hôtel du Palais“ bekannt.

Die Anwesenheit der Kaiserin veränderte das Schicksal der Stadt grundlegend.

In seinem Gefolge trafen Könige, Fürsten und Adlige aus ganz Europa ein: die Herrscher von Württemberg, Belgien und Portugal, russische, polnische und rumänische Fürsten, spanische Granden und englische Lords.

Biarritz empfing pro Saison bis zu 10.000 Urlauber.

Das Areal der kaiserlichen Residenz wurde mit dem Begriff „Plage des Rois“ – dem Strand der Könige – in Verbindung gebracht, während sich in der Stadt immer mehr große Villen und Adelsresidenzen ansiedelten.

Wenn der kaiserliche Hof in Biarritz eintraf, änderte sich der Rhythmus der Stadt: Das kleine Küstenstädtchen wurde zur Bühne des europäischen mondänen Lebens, geprägt von Spaziergängen an der Grande Plage, Empfängen und Aufenthalten in den großen Villen.

Der Atlantik, der jahrhundertelang vor allem eine Quelle der Arbeit und der Gefahr gewesen war, wurde auf diese Weise auch zum Schauplatz des Urlaubs und des Prestiges.

Das Fischerdorf hatte sich zu einem der elegantesten Orte Europas gewandelt.

Soria von Biarritz – Strand der Könige

Die Grande Plage, das Casino und das Biarritz der Belle Époque

Die Grande Plage wurde zum Herzstück des neuen Biarritz.

Hier erhielt der Atlantik eine völlig andere Bedeutung. Er war nicht mehr nur das Meer, auf das die Fischer hinausfuhren: Er wurde zu einem Ort des Urlaubs, der Erholung, der Spaziergänge und des gesellschaftlichen Lebens.

Der Strand, umgeben von den Gebäuden des neuen Badeortes, verkörperte diesen Wandel auf perfekte Weise.

Das neue Erscheinungsbild der Stadt wurde auch durch das städtische Casino vervollständigt, das an der Grande Plage liegt. Der Komplex wurde 1901 eingeweiht und entwickelte sich zu einem der Wahrzeichen des mondänen Biarritz der Belle Époque. Das Gebäude, das wir heute sehen, stammt hingegen aus dem Umbau von 1928–1929 im Art-Déco-Stil.

Das Casino trug dazu bei, die Rolle von Biarritz als bedeutendes internationales Reiseziel für Urlaub, Glücksspiel und gesellschaftliches Leben zu festigen.

Der Kontrast zur Vergangenheit ist offensichtlich.

An jenem Ort, an dem das Meer einst vor allem Fischfang und Überleben bedeutete, kamen nun Besucher aus ganz Europa, um dort ihren Urlaub zu verbringen, die Vorstellungen zu besuchen und das mondäne Leben der Badesaison zu genießen.

Noch heute lässt sich beim Anblick der Grande Plage dieser Wandel erkennen: auf der einen Seite die Eleganz des aristokratischen Biarritz, auf der anderen Seite der Ozean, der nach wie vor die Landschaft prägt.

Doch die Beziehung zwischen Biarritz und dem Meer sollte sich erneut wandeln.

Fast ein Jahrhundert nach der Zeit Napoleons III. sollte der Atlantik zum Schauplatz einer neuen Generation werden.

1956: Peter Viertel und das Surfbrett, das Biarritz veränderte

Die Geschichte des Surfens in Biarritz hat fast den Charakter einer modernen Legende.

Geschichte von Biarritz: Wale, Strand der Könige, Tontons, Surfen

Im Jahr 1956 fanden in der Stadt die Dreharbeiten zu dem Film „The Sun Also Rises“ (Die Sonne geht wieder auf) statt, der auf dem Roman von Ernest Hemingway basiert.

Zu den an der Produktion beteiligten Personen gehörte Peter Viertel, ein US-amerikanischer Drehbuchautor und Surfer.

Viertel blickte auf die Wellen an der Côte des Basques und erkannte etwas, das er aus Kalifornien nur allzu gut kannte: perfekte Wellen zum Surfen.

Der kalifornische Hersteller und Surfer Dick Zanuck ließ ein Surfbrett aus den Vereinigten Staaten liefern. Viertel versuchte, es zu benutzen, doch bei den ersten Versuchen zerbrach das Brett.

Zu diesem Zeitpunkt trat Georges Hennebutte auf den Plan, ein junger Technik- und Mechanikbegeisterter, der dazu bestimmt war, eine zentrale Rolle in der Geschichte des französischen Surfens zu spielen. Hennebutte gelang es, das Surfbrett zu reparieren, und im September 1956 begannen die beiden gemeinsam an der Côte des Basques zu surfen.

Dieser Vorfall mag nebensächlich erscheinen, doch in Wirklichkeit markierte er den Beginn einer Revolution.

Im folgenden Jahr kehrte Viertel mit mehreren Surfbrettern nach Biarritz zurück und bezog weitere junge Einheimische mit ein, darunter Jacky Rott und Joël de Rosnay.

Aus dieser kleinen Gruppe sollte die Generation der „Tontons Surfeurs“ hervorgehen , die Pioniere des französischen Surfens.

Die Côte des Basques wurde zu ihrem Arbeitsraum.

Eine neue Ära hatte begonnen.

Die „Tontons Surfeurs“, die Pioniere des französischen Surfens

Peter Viertel hatte seine Neugier für das Surfen nach Biarritz mitgebracht, doch es waren einige junge Einheimische, die diese Neugier in eine echte Kultur verwandelten.

Sie sind als die „Tontons Surfeurs“ in die Geschichte eingegangen – jene Pioniergruppe, die zwischen Ende der 1950er und den 1960er Jahren maßgeblich zur Entstehung des französischen Surfens beitrug.

Zu den bedeutendsten Namen zählten Georges Hennebutte, Jacky Rott und Joël de Rosnay, zu denen sich weitere junge Surfer gesellten, die dazu bestimmt waren, zu den Protagonisten der ersten Generation der Surfszene in Biarritz zu werden.

Anfangs gab es weder Surfschulen noch Fachgeschäfte noch eine echte Surfindustrie. Surfbretter waren schwer zu finden und mussten oft selbst gebaut oder in Handarbeit angepasst werden.

Auch das Surfenlernen bedeutete vor allem, zu beobachten, auszuprobieren und die eigenen Erfahrungen mit anderen zu teilen.

So machten die „Tontons Surfeurs“ die Côte des Basques zu ihrem Surf-Labor am Atlantik. Sie gingen ins Wasser, studierten die Wellen, probierten neue Surfbretter aus und versuchten herauszufinden, wie sie die Bedingungen am Atlantik optimal nutzen konnten.

Ihre Rolle beschränkte sich nicht nur auf den sportlichen Bereich.

Sie waren es, die zur Entstehung einer echten Surfkultur in Biarritz beitrugen, die von Freundschaft, Abenteuer und einer sehr unmittelbaren Beziehung zum Ozean geprägt war.

Ihre Geschichte verdeutlicht zudem einen interessanten Aspekt des Wandels der Stadt.

Noch wenige Jahrzehnte zuvor war Biarritz das Reiseziel der europäischen Aristokratie gewesen; nun bevölkerte eine neue Generation junger Menschen dieselben Strände mit Surfbrettern unter dem Arm und in Surferbekleidung.

Im September 1959 wurde der Waïkiki Surf Club gegründet, einer der ersten französischen Surfclubs und der erste, der in direktem Zusammenhang mit jener Pioniergeneration stand.

Diese kleine Gemeinschaft hätte dazu beigetragen, einen aus Kalifornien stammenden Trend zu einem festen Bestandteil der Identität der Stadt zu machen.

Und gerade dank der „Tontons Surfeurs“ ist die Geschichte des Surfens in Biarritz nicht mehr nur die Geschichte von Peter Viertel, sondern wird zur Geschichte einer ganzen Stadt.

Die Geschichte von „Biarritz Tontons Surfers“

Die Côte des Basques, die Wiege des europäischen Surfens

Die Côte des Basques ist der Ort, der diesen Wandel mehr als jeder andere verkörpert.

Der Strand liegt am Fuße der Klippen südlich des Stadtzentrums von Biarritz und bietet besonders günstige Bedingungen zum Surfen sowie einen spektakulären Ausblick auf den Atlantik.

Hier hat die französische Surfkultur ihre ersten Schritte unternommen.

Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich eine in Frankreich bis dahin praktisch unbekannte Sportart zu einer echten lokalen Kultur. Die begeisterten Anhänger begannen, neue Bretter zu bauen und damit zu experimentieren, und das Surfen wurde nach und nach zu einem festen Bestandteil des Alltagslebens der Stadt.

Im Jahr 1966 eröffnete Jo Moraiz in Biarritz die Schule, die als erste Surfschule Frankreichs gilt.

Von diesem Zeitpunkt an war das Surfen endgültig nicht mehr nur die Beschäftigung einer kleinen Gruppe von Pionieren, sondern entwickelte sich zu einer echten Sport- und Tourismusbranche.

Der Kontrast zur Vergangenheit ist verblüffend.

Seit Jahrhunderten hatten die Einwohner von der Küste aus das Meer beobachtet, um nach Walen Ausschau zu halten.

Nun begannen sie, ins Wasser zu gehen, um auf den Wellen zu reiten.

Vom Surfen zum Windsurfen: Die neue Art, den Ozean zu erleben

Der Erfolg des Surfens trug zur Entstehung einer umfassenderen Wassersportkultur bei.

Neben dem Surfen entwickelten sich Disziplinen wie Bodyboarding und Windsurfen, bei denen die Beziehung zum Ozean andere Formen annimmt.

Beim Windsurfen kommt ein weiteres Element hinzu: der Wind.

Der Surfer muss die Wellen lesen und den richtigen Moment finden, um sie zu reiten. Wer Windsurfen betreibt, muss hingegen gleichzeitig Wellen und Wind deuten und die Kraft des Windes in Geschwindigkeit umwandeln.

Es ist eine neue Art, den Atlantik zu erleben.

Die Walfänger versuchten, die Gefahren des Meeres zu meistern, um zu überleben. Surfer lernen, die Wellen zu nutzen. Windsurfer machen den Wind zu einer zusätzlichen Herausforderung.

Das Meer ist immer noch dasselbe, doch die Art und Weise, wie wir mit ihm umgehen, hat sich völlig verändert.

Der Rocher de la Vierge: Ein Blick auf die Geschichte von Biarritz

Zuden Sehenswürdigkeiten in Biarritz gehört unbedingt der Rocher de la Vierge, einer der berühmtesten Ausblicke der Stadt.

Der Felsen liegt direkt am Atlantik und ist über einen Steg mit dem Festland verbunden. Von dort aus bietet sich ein spektakulärer Blick auf die Küste.

Es ist zudem einer der besten Orte, um zu verstehen, wie entscheidend der Ozean für die Geschichte der Stadt war.

Wenn man auf diese Wasserfläche blickt, kann man sich die Boote der Walfänger, die Spaziergänge des Adels des 19. Jahrhunderts und – in jüngerer Zeit – die Surfbretter der Surfer vorstellen.

Drei völlig unterschiedliche Epochen, die durch denselben Horizont verbunden sind.

Biarritz, eine Stadt, die seit jeher im Einklang mit dem Meer lebt

Das Besondere an Biarritz ist, dass keine seiner verschiedenen Identitäten die vorherige vollständig verdrängt hat.

Die Fischerstadt ist noch heute im Port des Pêcheurs und in der Erinnerung an den Walfang präsent. Die Kaiserzeit lebt in den Villen, den Hotels, im Hôtel du Palais und in den Gebäuden an der Grande Plage weiter. Die Surfkultur hingegen ist an den Stränden und vor allem an der Côte des Basques lebendig.

Und über allem thront weiterhin der Atlantik.

Zunächst wurde er von den Wächtern der Atalaye gesichtet, die nach dem Spritz einer Wal suchten. Anschließend wurde er von den europäischen Adligen während ihrer Sommeraufenthalte bewundert. Schließlich wurde er von Surfern und Wassersportbegeisterten in Angriff genommen.

Von Walen bis hin zu Surfbrettern

Vielleicht lässt sich Biarritz am eindrucksvollsten gerade durch diese lange Reise beschreiben.

Zunächst die Wale.

Seit Jahrhunderten haben sich Fischer auf den Atlantik begeben, um den großen Walen nachzustellen. Im März 1686 wurde der letzte Wal direkt in den Gewässern von Biarritz gefangen, womit ein bedeutendes Kapitel der Seefahrtsgeschichte der Stadt zu Ende ging.

Dann der Adel.

Eugenia de Montijo und Napoleon III. verwandelten Biarritz in einen bedeutenden Badeort und zogen Könige, Prinzen und Adlige aus ganz Europa an. Die Stadt wurde zum „Strand der Könige“.

Und schließlich das Surfen.

Im Jahr 1956 blickte Peter Viertel auf die Wellen der Côte des Basques und sah etwas, das bis dahin fast niemand in Frankreich gesehen hatte: einen Ort, an dem man auf den Wellen des Atlantiks reiten konnte. Das Surfbrett ging kaputt, Georges Hennebutte reparierte es, und die ersten Surfversuche in Biarritz begannen, sich zu einer echten Kultur zu entwickeln.

Seitdem hat Biarritz seine Identität immer weiter rund um den Wassersport ausgebaut und sich zu einem der bekanntesten internationalen Reiseziele für Surfer entwickelt.

Die Boote haben sich verändert, die Menschen haben sich verändert, und vor allem hat sich die Art und Weise verändert, wie man das Meer erlebt.

Doch der Atlantik stand stets im Mittelpunkt der Geschichte von Biarritz.

Und vielleicht ist genau dies der wahre Grund, warum ein Besuch in Biarritz weit mehr bedeutet, als nur ein paar Tage am Strand zu verbringen. Es bedeutet, durch Jahrhunderte der Geschichte zu reisen – in einer Stadt, in der die Legenden der Walfänger, die Eleganz der europäischen Aristokratie und die Surfkultur noch heute am selben Ozean nebeneinander existieren.

Biarritz ist eine Stadt, die gelernt hat, mit dem Meer zu leben: Zunächst hat sie es herausgefordert, dann bewundert und schließlich auf seinen Wellen geritten.

So planen Sie eine Reise nach Biarritz zum Surfen

Für alle, die nach dem Kennenlernender Geschichte von Biarritz das Surfen selbst ausprobieren möchten, ist die Planung einer Reise an die französische Baskenküste relativ einfach.

Die Côte des Basques ist der wichtigste Anziehungspunkt: Sie gilt als Wiege des europäischen Surfens und bietet sowohl für Anfänger als auch für erfahrene Surfer geeignete Bedingungen.

Wann sollte man zum Surfen nach Biarritz fahren?

Biarritz eignet sich zwar fast das ganze Jahr über als Reiseziel für Surfer, doch die Wahl des Zeitraums hängt von Ihrem Niveau und der Art des Erlebnisses ab, das Sie suchen.

Für diejenigen, die noch nie gesurft sind, ist der Sommer die beste Zeit, um eine große Auswahl an Kursen und Angeboten zu finden, aber es ist auch die Zeit mit dem höchsten Touristenaufkommen.

Wer bereits über Erfahrung verfügt, kann sich hingegen für weniger überlaufene Zeiträume entscheiden, in denen der Atlantik anspruchsvollere Bedingungen bieten kann und in der Stadt eine ruhigere Atmosphäre herrscht, wie beispielsweise im Herbst von Oktober bis November.

In jedem Fall ist es unerlässlich, vor dem Betreten des Wassers die Meeresbedingungen und die Gezeitenzeiten zu überprüfen.

Die Côte des Basques ist in der Tat ein Strand, der stark von den Gezeiten beeinflusst wird, und zu bestimmten Zeitpunkten bei Flut kann der Sandbereich vollständig überflutet sein.

Côte des Basques oder Grande Plage?

Für alle, die vor allem zum Surfen nach Biarritz kommen, ist die Côte des Basques die naheliegendste Wahl. Sie ist der symbolträchtige Ort der Surfgeschichte der Stadt und beherbergt zahlreiche Surfschulen.

Auch die Grande Plage im Stadtzentrum verfügt über Bereiche, die für Wassersport vorgesehen sind. Ihre Lage ist besonders günstig für alle, die Sport, Spaziergänge, Restaurantbesuche und das Stadtleben miteinander verbinden möchten.

Die Côte des Basques hat jedoch noch einen weiteren Vorteil: Hier können Sie genau den Ort erleben, an dem die Geschichte des Surfens in Frankreich ihren Anfang nahm.

Was ist besser: eine Surfschule oder das Ausleihen eines Surfbretts?

Für Anfänger ist es am besten, sich an eine Surfschule zu wenden.

Zu den traditionsreichen Einrichtungen zählt die Jo Moraïz Surf School, die 1966 an der Côte des Basques gegründet wurde und als erste französische Surfschule gilt. Sie bietet Kurse für verschiedene Niveaustufen an und stellt die erforderliche Ausrüstung zur Verfügung.

Für diejenigen, die bereits über Erfahrung verfügen, kann der Verleih der Ausrüstung hingegen die bequemste Lösung sein. In diesem Fall ist es jedoch wichtig, ein Board zu wählen, das Ihrem Niveau entspricht, und stets die Meeresbedingungen zu überprüfen, bevor Sie ins Wasser gehen.

Ein Surfurlaub bedeutet nicht nur Surfen

In Biarritz können Sie einen Urlaub gestalten, bei dem das Surfen zwar im Mittelpunkt steht, aber nicht die einzige Aktivität ist.

Den Vormittag können Sie mit einem Surfkurs an der Côte des Basques verbringen; nach dem Surfen können Sie ins Zentrum zurückkehren, entlang der Grande Plage spazieren und zum Rocher de la Vierge gelangen.

Am Abend hingegen können Sie die baskische Küche entdecken oder einfach zur Côte des Basques zurückkehren, um den Sonnenuntergang von den Klippen aus zu beobachten – eines der eindrucksvollsten Schauspiele der Stadt.

Gerade diese Kombination macht Biarritz zu mehr als nur einem Reiseziel für Surfer.

Hier können Sie an genau derselben Stelle ins Meer gehen, an der vor fast siebzig Jahren einige französische Pioniere begannen, das Surfen zu entdecken; wenige Stunden später können Sie durch die architektonischen Schätze des aristokratischen Biarritz schlendern und zuvor die Geschichte der Fischer nachverfolgen, die jahrhundertelang Wale gejagt haben.

Eine Reise nach Biarritz zum Surfen wird so auch zu einer Reise durch die vielen Facetten der Stadt: von den Walen zu den Königen, von den Königen zu den Surfern.

Wissenswertes und häufig gestellte Fragen zu Biarritz

  1. Welchen Unterschied gibt es zwischen den Laminak aus der baskischen Mythologie und den Sirenen aus Homers „Odyssee“?

Beide Figuren nutzen ihren Gesang, um Seeleute zu verzaubern, doch damit endet die Ähnlichkeit auch schon.

Die homerischen Sirenen aus der „Odyssee“ sind feindselige Wesen, deren Gesang jeden, der sich ihnen nähert, bewusst in den Tod führt. Die Laminak der baskischen Mythologie gehören hingegen zu einem ganz anderen folkloristischen Universum und werden nicht unbedingt als böse Wesen dargestellt.

In der Legende von der Roche Percée ist ihr Gesang eine Versuchung, der die Fischer erliegen und dabei die Befehle des Kapitäns missachten.

Der grundlegendste Unterschied liegt somit in der Absicht: Die Sirenen sind in der homerischen Tradition Raubwesen, während die Laminak einer komplexeren übernatürlichen Welt angehören, in der sie unterschiedliche Beziehungen zu den Menschen unterhalten können.

  1. Was ist die Côte des Basques?

Es handelt sich um den Strand am Fuße der Klippen südlich des Zentrums von Biarritz, der als Wiege des europäischen Surfens gilt. Hier begann Peter Viertel im Jahr 1956, das Surfen auf den örtlichen Wellen auszuprobieren, und legte damit den Grundstein für das französische Surfen.

  1. Warum wird Biarritz als „Strand der Könige“ bezeichnet?

Denn im 19. Jahrhundert wurde die Stadt dank Eugenia de Montijo und Napoleon III. zu einem Urlaubsziel für Könige, Fürsten und Adlige aus ganz Europa und empfing pro Saison bis zu 10.000 Urlauber.

  1. Wer war Peter Viertel?

Peter Viertel war ein US-amerikanischer Drehbuchautor und Schriftsteller sowie Surfer. Während der Dreharbeiten zu „The Sun Also Rises“ in Biarritz im Jahr 1956 erkannte er an der Côte des Basques geeignete Bedingungen zum Surfen. Nachdem sein aus den Vereinigten Staaten geliefertes Surfbrett zerbrochen war, begann er gemeinsam mit Georges Hennebutte zu surfen, dem es gelang, das Brett zu reparieren.

  1. Wer waren die „Tontons Surfeurs“?

Sie waren die Pioniergruppe, die zwischen Ende der 1950er und den 1960er Jahren zur Entstehung des französischen Surfens in Biarritz beitrug. Zu den bedeutendsten Namen zählten Georges Hennebutte, Jacky Rott und Joël de Rosnay.

  1. Worum geht es in dem Film „The Sun Also Rises“ (Die Sonne geht wieder auf) von Peter Viertel?

„The Sun Also Rises“ (Die Sonne geht wieder auf) war die erste Verfilmung des gleichnamigen Romans von Ernest Hemingway aus dem Jahr 1926. Unter der Regie von Henry King und produziert von Darryl F. Zanuck für 20th Century Fox kam der Film 1957 mit Tyrone Power, Ava Gardner, Mel Ferrer und Errol Flynn in die Kinos.

Das Drehbuch stammte aus der Feder von Peter Viertel, der während der Dreharbeiten in Biarritz im Jahr 1956 jene Eingebung hatte, die die Geschichte des französischen Surfens verändern sollte.

Wenn Sie sich für Ernest Hemingway interessieren, lesen Sie auch unseren unseren Artikel über Key West und die sechsfingrigen Katzen des Schriftstellers.